Ein intensives Wochenende

120 Seemeilen, ca. 22 Stunden auf dem Wasser und in der Nacht von Samstag auf Sonntag keine Auge zugemacht… Aber der Reihe nach…

Da es in diesem Jahr im Urlaub mal zu den Nordfriesischen Inseln gehen soll, speziell nach Sylt, muss ich eine wenig „Vorarbeiten“ und See-Strecke Richtung Osten machen. Ziel der Verlegung soll über die nächsten 2 Wochenenden Norddeich sein. In den geplanten 2 Wochen Urlaub ist die Distanz von Holland nach Sylt hin und zurück einfach zu weit.

Also ging es am Freitag nachmittag nach Warns zum Boot mit dem Ziel Lauwersoog. Eigentlich hatte ich ja eine Teilnahme an einer Fun-Regatta an dem Wochenende geplant (dem Latte-Cup), aber diese musste ich zu Gunsten der Urlaubsvorbereitung sausen lassen. Eigentlich ein wenig schade…

Mein erstes Etappenziel von Wochenende 1 – Lauwersoog – liegt im Norden der Niederlande im Grenzgebiet der Provinzen Friesland und Groningen, am Lauwersmeer. Das Lauwersmeer ist, wie das Ijsselmeer, ein ehemaliger Meeresarm der Waddenzee. Auch dieser wurde als Schutzmaßnahme gegen Sturmfluten von der Nordsee abgetrennt und 1969 fertig gestellt.Sonnenuntergang

Mein erstes Ziel am Freitag Abend sollte jedoch Harlingen sein. Leider war mir der Segelwind an diesem Abend nicht gewogen, so dass ich die rund 20 Seemeilen  unter Motor zurücklegen musst. Dafür wurde ich mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Übrigens eines der wenigen (Handy-)Fotos des Wochenendes.

Am nächsten Morgen musst ich  dann eine Entscheidung über den weiteren Reiseverlauf treffen. Entweder wieder durch die Schleuse in das Kanalnetz Frieslands und entlang eines Teils der Stande-Mast Route über Leeuwarden (Kulturhauptstadt Europas 2018) und Dokkum nach Lauwersoog oder zwischen Vlieland und RouteTerschelling auf die Nordsee raus und entlang der Inseln Terschelling und Ameland und zwischen Ameland und Schiermonnikoog wieder in die Waddenzee zu meinem Ziel. Eine solche Entscheidung trifft der Segler in der Regel wetterabhängig. Und das sagte Wind aus Nord-Ost mit bis zu 5 Wind-stärken voraus. Im Prinzip nicht zuviel Wind, sondern nur leider aus der falschen Richtung, nämlich genau der, in die mich mein Weg über die Nordsee führen sollte. Eine Kanalfahrt bei angesagten 30 Grad erschien mir aber auch wenig reizvoll (Grüße an Dirk nach Afrika: www.dream-it-be-it.de), zumal man auf den Kanälen nur dann segeln kann, wenn der Wind genau passt. Wenn man aber Zeit hat und in den Orten ein wenig Sightseeing machen will und vor den `zig Brücken Päuschen machen möchte, sicher eine nette Sache, aber ich hatte für das Wochenende ein Ziel. Also Nordsee!

Mit dem ablaufenden Wasser ging es dann am Morgen in Rauschefahrt zunächst zu einem Zwischenstopp auf die Insel Vlieland. Hier wollte ich auf den richtigen Abfahrtzeitpunkt warten, noch Tanken, Duschen und Essen, bevor es dann am Nachmittag auf die Nordsee zu meinen Segelschlag Richtung Osten gehen sollte. Für die ca. 60 Seemeilen (direkter Weg) hatte ich ca. 12 Stunden eingeplant. Da ich aber gegen den Wind unterwegs war, würden es wohl etwas mehr Meilen werden. Also ging ich bei meiner Planung von mind. 15 Stunden insgesamt aus. Die Zeitplanung richtet man dabei  auf die Einfahrt zwischen den Inseln aus. Da dort immer sogenannte Barren sind (Flachwasserstellen im Watt) sollten man dort bei auflaufendem Wasser und bei einem Wasserstand ankommen, der eine gefahrlose Passage ermöglicht. Dieser Zeitpunkt lag bei mir ab ca. 5 Uhr in der Früh. Also sollte ich gegen 16:00 Uhr in Vlieland aufbrechen.

Uns so sah dann mein Track aus:

Track

Ein wahrer Zick-Zack-Kurs über die Nordsee! Dabei war die Passage mit den kürzeren Zacken besonders anstrengend und zeitweise ein wenig frustrierend… Das war so zwischen 01:00 und 04:00 Uhr. Da hatte ich die stärkste Gegenströmung. Demzufolge bin ich da eine Zeit lang fast immer nur hin und her gefahren, ohne eine große Entfernung Richtung Ziel zurückzulegen. Ich war dann sehr froh, als ich endlich den Leuchtturm an der Westspitze von Ameland (bei Hollum) achteraus sehen konnte… Bier

Ansonsten war es eine herrliche, mondhelle Nachtfahrt. Ich konnte immer eine Kontur zwischen Wasser und Himmel erkennen, was solche Nachtfahrten deutlich angenehmer macht, da man den Horizont gut sehen kann, der auf dem Wasser ein wenig Orientierung gibt. Nach dann insgesamt 17 Stunden, um 9:00 Uhr morgens, war ich in Lauwersoog angekommen und hatte mir mein spätes Abendessen redlich verdient… 🙂

Nach einer Mütze Schlaf und Aufräumen ging es dann mit Bus und Bahn zurück zu meinem Ausgangshafen nach Warns. Dafür benötigte ich dann nur 3 Stunden und konnte noch zwei wirklich nette Erfahrungen mit unseren niederländischen Nachbarn machen. Die erste war die Schaffnerin in der Bahn. Die stellt fest, dass mein zuvor im Bus erworbenes Ticket entgegen meiner Vermutung (und der Aussage des Busfahrers) nicht für die Bahnfahrt gültig war (oder hatte ich den Fahrer nur falsch verstanden?). Auf jeden Fall sah die Dame von einer Strafe fürs Schwarzfahren ab und beließ es bei einer netten Ermahnung für die nächste Reise. Glück gehabt! Als zweite kam mir dann wiederum eine Niederländerin zur Hilfe. Als ich an meinem Ziel der Bahnfahrt angekommen war sollte dort eigentlich ein Bus stehen, der mich die letzten Kilometer zum Hafen bringen sollte. Die Dame angesprochen fragte Sie zurück: „Welke bus? Waar moet je heen?“ Ich entgegnete: „Naar Warns!“. „Ik kan het meenemen, dat is mijn richting!“.  Sehr nett und vielen Dank den „nederlandse Meisjes“!

Und so ging ein sehr intensives Segelwochenende zu Ende. Und bald schon geht es dann weiter nach Norddeich! Stay tuned!

 

 

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7 Gedanken zu “Ein intensives Wochenende

  1. Thomas Sülzen

    Hallo Rainer, gut gemacht, da haben wir uns ja nur knapp verpasst! Wir sind am Donnerstag von Vlieland nach Harlingen und dann am Freitag
    nur kurz nach Makkum, musste dort noch zu UK-Sails mein Segel etwas ändern lassen. Wir haben ja auf unserem Norwegen Törn auf Sylt einen
    zwischen Stopp eingelegt, das hat schon was! Bei mir geht es auch schon in drei Wochen los allerdings dein genauer Gegenkurs😃
    Gute Fahrt weiterhin

    Thomas
    SY EmiLu

    1. Hey Thomas, dann warst Du auch gar nicht regattieren? Ich bin mal gespannt auf Sylt, da waren wir bisher werde auf dem Land- noch auf dem Wasserweg. Und ihr wieder in den Kanal? Diesmal bis St. Mary’s? Ich wünsche es Euch! Grüße, Rainer
      PS: Vielleicht klapp ja in diese Jahr eine Herbst-Flottille!

  2. jürgen

    Hallo Rainer,
    beneidenswert Deine schönen Pläne!

    Und wie immer,lesenswert geschrieben !

    aber dieser Schlag wäre mir auch zu heftig gewesen…..allein ist das zu hart.

    Viel Spaß und gute Fahrt

    Gruß
    jürgen

  3. Ich muß schon sagen, du hast ganz schön was zu tun beim Segeln. Dagegen nimmt sich eine Radtour durch Afrika, logistisch betrachtet, einfach aus. Dafür gibt’s hier andere Herausforderungen.
    Aber nun habe ich wieder prima was übers Segeln gelernt: ob Tag oder Nacht ist fast egal, Hauptsache Wind und Wasser stimmen.

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