London Calling!

8. Tag: von Harwich nach Brightlingsea, 28 sm

Als wir gestern Abend Harwich ansteuerten sah ich im AIS auf unserer elektronischen Seekarte ein recht großes Containerschiff kurz hinter uns in den Hafen von Harwich einlaufen. Die Daten zum Schiff gaben eine Länge von 400 Metern an. Wow! Ein echt Großer. Als wir uns dann von der Pier aus das Anlegemanöver ansehen wollte, waren wir nicht allein. Viele Einwohner von Harwich standen auch am Ufer, um dem Spektakel beizuwohnen. Denn es war nicht ein normales Containerschiff, dass da eingelaufen war, sondern das zur Zeit größter Containerschiff weltweit: Die OOCL Hong Kong. Das hat nicht nur halb Harwich an die Pier bewegt, sondern auch einen Spiegel-Online-Kameramann, der: aus den Spektakel ein kleines Video auf Spiegel-Online gestellt hat: http://www.spiegel.de/video/oocl-hong-kong-weltgroesstes-containerschiff-video-1777074.html. Und wer dieses Schiff auch mal live sehen möchte, auf nach Wilhelmshaven, da wird es am 1.7. um 13:00 erwartet: http://www.cn-online.de/stadt-land/news/groesstes-containerschiff-laeuft-wilhelmshaven-an.html

Als ich dann am Morgen so gegen 5 Uhr (tja, frühes Aufstehen gehört beim Segeln in Gezeitenrevieren dazu) in den Sonnenaufgang gestartet bin, konnte ich noch ein Photo von dem Mega-Frachter an der Pier schießen.

Frühstart in Harwich
OOCL Hong Kong, 400 Meter lang

Ziel war heute Brightlingsea im River Colne. Nachdem ich ca. 45 min aus der Hafenausteuerung Harwich unter Motor heraus gefahren war, kam dann auch der angesagte Wind auf und ich konnte mit ein paar Kreuzschlägen Richtung Süden segeln und später der River Colne Richtung Norden ansteuern. Wir hatten an diesem Tag einen schönen Segelwind und ein wirklich gutes Timing. Auf unserer Passage, die von ca. 4:45 bis 10:15 dauerte hatten wir guten Wind und schönes Wetter. Kurz nachdem wir in Brightlingsea festgemacht hatten, zog eine Regenfront durch, die dann auch kräftige Böen (bis 7 Bft.) mitgebracht hat. Gut dass wir in Hafen waren!

 

Bisher ein seltener Moment in unserem Urlaub: Regen

Brightlingsea ist keine Touristenhochburg. Es gibt zwar eine „Marina“. Diese schein aber eher eine Investitionsruine zu sein. Die Läden an der „Marina-Plaza“ sind jedenfalls nicht vermietet… Wir lagen allerdings nicht in der Marina, sondern auf den „Floating-Pontons“ direkt im River. Jedes dritte Boot an diesen Stegen war ein halbes Wrack und das touristische Highlight des Ortes ist die Buswartehalle aus dem 18ten Jahrhundert… Des Hafenmeister ist aber supernett…

Marina Brightlingsea
Leere Ladenlokale, nix zu Schoppen für uns…
Buswartehalle aus dem 18 Jahrhundert
Schwimmponton, kein Wasser, kein Strom…
Trockenfallende Boote

 9. Tag: von Brightlingsea nach Queenborough, 37 sm

Da uns weder das touristische Angebot in Brightlingsea noch die mäßigen Wetteraussichten zum Bleiben bewogen hatten, musste ich auch an diesem Tag tidenbedingt wieder früh raus. Abfahrt war für 6 Uhr terminiert, da für die Einfahrt bzw. Ausfahrt aus dem River ein bisschen Wasser notwendig war. Mit der Entscheidung weiter zu fahren, hatte ich mich am Morgen noch etwas schwer getan. Die Windvorhersage prophezeite ab mittags Böen von bis zu 6 Windstärken. Da uns unser Kurs gen Süden mit der auflaufenden Tide durch die Themsemündung führen sollte und der Wind aus Süd-West angesagt war, verspracht es eine eher raue Passage zu werden, da hier Wing gegen Strom agiert, was zu recht ungemütlichen Wellen führen kann. Nach einer Beratung mit Annette hatten wir uns dann jedoch zum Ablegen entschieden. Annette präparierte sich mit einem „Antiseekrankheits-pflaster“ und los ging es.

Stellt euch die Themsemündung mal so vor. Legt eure Hand mit dem Mittelfinger in Richtung Nord-Osten. Spreizt dann die Finger soweit es geht. Die Finger sind dann Sandbänke und die Zwischenräume zwischen den Fingern sind die Passagen mit tiefem Wasser Richtung Mündung. Diese Passagen haben dann Namen wie Swin, Barrow, Prince Channel, Queens Channel etc. Und die Passagen haben auch Verbindungen untereinander, sogenannte Spitways (quasi ein Weg über die Sandbank). Also Stellen, wo die Finger recht dünn sind… oder anders gesagt, wo das Wasser für einen Wechsel von der einen in die andere Rinne tief genug ist.

Also da mussten wir durch. Zunächst ging es gegen die Tide aus dem River Colne hinaus, dann über den Wallet- und Swin-Spitway, vorbei am Gunfleet Sands Offshore Windpark Richtung Süden durch den Borrow Deep. Alles klar? Nein, hab ich mit natürlcih alle snicht selbst ausgedacht. Für Segeler gibt es spezielle – in diesem Fall nur englische – Lektüre, die die verschiedenen Routen beschreiben. Alles also halb so wild. Allerdings muss man schon ein wenig über Gezeiten und Strömungen wissen, um den richtigen Weg für die eigene Planung zu finden.

The Thames Estuary

Wir sind jedenfalls gut durch die Themse-Mündung gekommen. Auch wenn wir die letzten 8 Seemeilen unter Motor gegen die dann schon wieder ablaufende Tide zurücklegen mussten.

Am Mittag waren wir dann in Queenborough im River Swale, einem Nebenarm der Themsemündung. Queensborough ist einer der häufigsten Anlaufpunkt in der Themsemündung für die Wassersportler, die in die Themse bis nach London wollen, wie wir. Hier wartet man auf Niedrigwasser, um dann mit der Strömung die 42 SM (78 km) bis zur Tower-Bridge schnell zurückzulegen. Ansonsten ein beschaulicher Ort mit ein paar ganz netten Ecken. Allerdings sanitären Anlagen, die Ihres gleichen suchen (im negativen Sinne!).

Queenborought Creek
Queenborough Hafen
Lummel am Ponton

10. Tag: von Queenborough nach London, 42 Flussmeilen

Und wie es die Tide mal wieder wollte, war Ablegen um 6:30 angesagt, damit wir pünktlich zum Hochwasser um ca. 15:00 Uhr an der Tower Bridge ankommen sollten. Die Schleusenzeiten in die Marina, die wir reserviert hatten, waren 1,5 Stunden vor und nach Hochwasser. Also viel Bummeln konnten wir nicht, wenn wir nicht vor der Schleuse hängen bleiben wollten.

Die Themse ist ein eher industriell geprägter Fluss. Gleich zu Beginn kommt man an einem großen Container Terminal vorbei. Hier konnte ich das Anlegen eines großen Containerschiffes verfolgen. Es folgen viele weitere Industrieanlagen bis man sich langsam London nähert. Kurz vor Greenwich musste noch die Thamse Barrier durchquert werden, dass bei einer schweren Sturmflut London vor dem „Absaufen“ rettet. Innerhalb von 15 min ist die „Tidal Thamse“ dann von den Gezeiten abgeschnitten. Es wurde seit der Fertigstellung 1984 und Einweihung durch die Queen bisher rund 180-mal geschlossen.

Containerschiff wird von Schleppern gedreht
Seehunde in der Themsemündung
London kommt in Sicht
O2-Arena London. James Bonds Playground
Thamse Barrier

Bevor die Tower Bridge dann endlich in Sichtweite kam wurde in Greenwich noch der Null Meridian überfahren. Er trennt unsere Weltkugel in westlichen und östlichen Längen. Ich denke nach dem Äquator und dem Polarkreis für den „Seefahrer“ ein navigatorisches Highlight, wenn auch nur in einem Fluss.

Die „0“ nicht ganz getroffen

Und dann kam Sie endlich in Sicht: Die Tower Bridge! Kurz vor der Tower Bridge gab es natürlich noch eine Selfie-Orgie. Nicht allzu lang, denn wir mussten dann bald nach rechts in die Schleuse zum St. Katherins Dock, unserem Hafen für die nächsten 2 Tage abbiegen.

Tower Bridge voraus!
Selfie mit Spiegelreflex-Kamera

Das Schleusen hier ist – anders als in Holland – generalstabsmäßig organisiert. Über Funk werden die Schiffe einzeln an ihren Platz in der Schleuse gewiesen. Das macht hier auch sicher Sinn, den die Tide und der Schwell durch die Vielzahl von Ausflugsbooten, die unter der Tower Bridge durchfahren, machen das Manövrieren nicht ganz einfach.

LuMMEL in der Schleuse

Unser Urlaubsziel haben wir nun erreicht :-). Ab nun geht es zurück, aber erst noch ein wenig London erleben!

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8 Gedanken zu “London Calling!

  1. Astrid Dieckmann

    Herrlich schöner interessanter Blog! Macht alles einen äußerst professionellen Eindruck. Als Nichtsegler kann man sich gar nicht vorstellen was sich alles hinter so einem Turn verbirgt. London so zu besuchen war sicherlich ein Abenteuer. Viele Grüße

    1. Richtig, man muss schon etwas Zeit an Vorbereitung für eine solche Reise investieren. Aber die Planung ist ja schon der halbe Urlaub 🙂
      In London vor der Towerbridge zu sein war echt schon ein besonderes Highlight!
      Grüße auch an Emely, Annette uns Rainer

  2. Klaus Artmeyer

    Hallo ihr Kapitäne, ihr wisst ja, dass ihr nur Neid produziert, oder? Wir armen Werktätigen kümmern uns um die €€€€ 🙂
    Genießt alles, was ihr so erlebt. Aus der Ferne betrachtet scheint es euch ja richtig gut zu gehen. Das gönne ich euch.
    Herzliche Grüße aus dem ICE (München gen Kassel), Klaus.

    1. Klaus, das Schaffen erwartet mich doch auch wieder… Dann bin ich auch wieder werktätig… und dann hast Du Urlaub…
      Danke für Deine Wünsche und Grüße!

  3. Frauke Hennemann

    [cid:storage_emulated_0_DCIM_Camera_20170619_141558][cid:storage_emulated_0_DCIM_Camera_20170613_205433]

    Von meinem Samsung Gerät gesendet.

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