Harwich und River Deben

5. Tag: Von Woolverstone nach Harwich, 6 sm Flußfahrt

Gestern Abend kam dann noch eine WhatsApp von Dirk. Die beiden hatten sich angesichts des Wetterberichtes dazu entschieden, schon den Heimweg auf den Kontinent anzutreten. Ein Wiedersehen mit gemeinsamer Weiterfahrt in den River Deben sollte es also nicht geben. Wenn man – wie die beiden – nur ein recht begrenztes Zeitfenster hat, sollte man nicht zögern eine schnelle Entscheidung zu treffen. Eine Schlechtwetterphase könnte ansonsten eine Rückfahrt unmöglich machen (zwischenzeitlich sind die beiden wieder sicher in Vlissingen/Zuid-Holland angekommen).

Wir machten uns also am Morgen auf den Weg nach Harwich, an die Halfpenny-Pier. Unterwegs gab es interessante Sachen zu bestaunen wie „Maintainance-Posts“ oder auch „Scrubbing-Posts“ genannt. Bei Hochwasser legt man an den Pfählen im Wasser an, befestigt das Boot gut und sicher, damit es nicht umfällt, wartet bis das Wasser weg ist und schon kann der Hochdruckreiniger seine Arbeit erledigen. Bei uns ist das umständlicher, wir brauchen einen Kran!

Maintainance Posts

Leider haben wir einen sochen schönen Kreutzer noch nicht unter Volzeug gesehen, sonder nur einige in den Mooringfeldern.

Segler

An den Docks von Harwich konnten wir beobachten, wie eines der großen Containerschiffe das Rettungsboot im Wasser getestet hat und es wieder auf die Position an Deck gebracht wurde.

Testfahrt
Ein Winzling an dem 350 Meter langem Schiff
Zurück an Bord

Wer keinen Blick für die Gegend hatte, konnte auch einfach in der Sonne ein Buch lesen 😉

An der Halfpenny-Pier in Harwich hat man außer einer besagten Pier weder Wasser noch Strom am Steg. Nur eine Dusche und Toilette befindet sich in den Gebäuden an der Pier. Ich nehme solche Einschränkungen immer gerne in Kauf, liegt man doch in direkter Nachbarschaft zu den Fischern und hier mit einem interessanten Ausblick auf die Docks. Die 1853 erbaute Halfpenny Pier hat diesen Namen, da die Leute früher einen halben Penny für den Zutritt auf die Pier zahlen mussten.

Nachbarbecken mit alten Feuerschiff

Stichwort Europa. Beim Rundgang durch Harwich ist uns ein Haus mit dem Namen „The dutch Flag“ aufgefallen.

In Zeiten des Brexit

Schauen wir doch mal, wie lange die Fähren noch Arbeit und Einkommen nach Harwich bringen. Warum die Briten nun die 400jährigen Errungenschaften über Bord werfen? Who knows…

Harwich ist keine ausgeprägte Touristenhochburg. Geprägt wird das Stadtbild eher durch „normale“ Einfamilienhäuser. An der Seaside im Stadtteil Dovercourt findet man die hier typischen Strandhütten. Die ansonsten in Badeorten üblichen Souvenirshops etc. findet man hier nicht. Vermisst haben wir Sie nicht…

Seaside
Altes Leitfeuer
Strandhütten

6. Tag: Von Harwich in den River Deben nach Woodbrige, 15 sm

Um in den River Deben einfahren zu können, braucht es schon einen gewissen Wasserstand. Die Barre in der Einfahrt misst bei Niedrigwasser eine Tiefe von ca. 0,5 Metern. Das Hochwasser am Morgen sollte gegen 8:30 dort sein. Also wollte ich versuchen gegen 7:30 dort zu sein und in den Fluss einfahren. Dann blieb auch noch genug Zeit, um das in den Fluss strömende Wasser zu nutzen, und uns den Fluss hinauf nach Woodbridge in die Tide Mill Marina schieben zu lassen. Gemeinsam mit zwei britischen Booten mit demselben Ziel legten wir um 6:00 Uhr ab. Leider hatten wir noch keinen Wind und es wurde eine reine Motorfahrt. Aber eine schöne…

Ansteuerung River Deben
Ramsholt, ein Ausflugslokal am Fluss

Der Ort Woodbridge hat uns dann doch einigermaßen überrascht. Zwar auch keine wirkliche Touristenhochburg, aber eine wirklich schöne und beschauliche Kleinstadt fast am Ende des schiffbaren Teils des River Deben. Ein paar Impressionen:

Kirche (Foto von außen vergessen…)
Rathaus am Marktplatz
Echtes Handwerk – Geigenbau
Selten gewordene Telefonzelle
Typische Häuserzeile mit Pub
Rathaus von der anderen Seite
Wohnschiffe am Fluss
Leergelaufene Flusslandschaft
Leichtes Übergewicht nach vorn…
Hafeneinfahrt ohne Wasser

Das Besondere an dem Hafen ist, dass er das ehemalige Wasserreservoir der benachbarten alten Tide Mill (Gezeitenmühle) ist. Von ihr hat die Marina auch den Namen. Die Mühle ist heute ein Museum, welches aber noch Mehl für die lokalen Bäckereinen mahlt. Das Grundprinzip der Mühle ist recht einfach. Das in den Fluss aufsteigende Wasser wird in einem Wasserreservoir gespeichert und durch ein Rückschlagventil davon abgehalten, wieder aus dem Teich herauszulaufen. Das geschieht dann durch einen anderen Auslass des Teiches und damit wird dann das Mühlrad angetrieben.

Die Tide Mill
Wasserreservoir
Mühlrad
Wasserablauf zurück in den Fluss

7.Tag: zurück nach Harwich mit Stopp in Felixtowe Ferry, 18 sm

Ca. eine Seemeile vor der Mündung des Deben, sahen wir in der Ferne ein kleines rotes Segelboot, von dem der Skipper uns hilfesuchend zuwinkte. Da Boot hatte ich schon die ganze Zeit immer mal wieder vor uns gesehen. Nun war David der Sprit für seinen Außenborder ausgegangen und er bat um „Tug-Assistance“, welche wir gerne angeboten. Per Funk hat er dann kurz vor Felixtowe die „Ferry“ gebeten, ihn auf einen Liegeplatz zu begleiten. Um Sprit zu beschaffen, stand David wohl nun ein längerer Fußmarsch bis zur nächsten Tankstelle bevor.

LuMMEL wird zum Schlepper
Ferry-Boat

Normalerweise pendelt die „Ferry“ zwischen den beiden Flussufern hin und her um Fußgänger und Fahrräder von der einen auf die andere Flussseite zu bringen. Auch übernimmt sie Taxi-Dienste für die an den Moorings liegenden Boote, falls diese kein eigenes Dinghi dabei haben.

Don´t pay the Ferryman…

Felixtowe-Ferry besteht aus ein paar Fischerhütten, einem Boatyard und einigen Imbissbuden und einem Fischhändler, bei dem wir uns auch mit frischem Fisch zum Abendessen versorgt haben. Ausgesucht haben wir und einen Rock Eel (Butterfisch). Einem lokalen Fang. Neben dem Rock Eel und auch dem Dorsch, konnte man auch lokalen Lobster erwerben. Dieser wir mit sog. Lobster-Pods gefangen. Lobster-Pods liegen auf dem Grund und sind oben mit einem Fähnchen markiert. Das muss man schon gut aufpassen, will man beim Segeln nicht einen davon über den Haufen fahren.

LuMMEL an der Mooring
Deben Entrance von Land aus
Strandhütte
Fischerhütte mit Lobster-Pods
Fangfrischer Fisch und Lobster

Nach dem schönen Stopp in Felixtowe ging es dann am Abend zurück nach Harwich, von wo wir am nächsten Morgen gegen 5 Uhr weiter Richtung Südwesten reisen wollen.

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5 Gedanken zu “Harwich und River Deben

  1. White

    Hi Rainer
    Thanks for the tow !
    I was lucky enough to get a lift to the Petrol station with one of the local fisherman who was delivering his catch. I stuck my thumb out on the way back and hitched a lift as well, so all good.
    Fair winds
    David

    1. David

      Hi Rainer, I googled „Sailing Yacht Lummel“ and your site was the first hit 🙂
      I’m loving your blog by the way.
      David

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